Unnahbar

Wenn bitt’re Säfte zäh
von jenen Wänden fließen
und Batailles Augen jäh
sich in das Nichts ergießen /

wenn Es fest-steht:
ein Bild, das sich befangen
in die Luft erhebt,
von Schleim und Haut verhangen
dir den Rücken kehrt /

dann schluckst du einen Stein,
der dir ganz frei von Sein
(das in die Ferne zieht)
den leeren Götzen spielt.

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Lichtspiel

Das Zelluloid fängt Feuer,
deine Projektion verbrennt.
Das Kino spielte Solofilm,
die Rollen rauchten durch
und rissen grade ab,
als deine Miene –
übergroß –
undeutbar war.

Die Klangspur straft die Ohren,
deine Stimme bricht ganz kakophon
in tausend falsche Töne;
sie mischen sich
ins Rascheln eines Mannes,
der in Brand gesetzt
sein Popcorn weiterisst.

Die letzte Glut hat sich gelegt,
und du stehst nah vor mir
bei durchgeschmorten Sitzen.
Ich möchte dich gern sehen,
doch bin blind für dich;
dein Kinobild hat meine Augen –
eingebrannt.

Getrieben

Ihr Auge weint sich nässend aus,
beizt dir ein Stangenbild
ins Fieberhirn.
Die Lider schlagen zu
und dann in dich hinein.

Du wickelst dich
in Spinnenfäden ein,
die du verspuckst
und liegst gefesselt da.
Gesund-Sinn wartet hungernd
neben deinem Bett
vergeblich auf das Futter.

Die Tränen fressen Stahl,
und Rost treibt sich ins Hirn.
Der Sinn reibt sich schon ab
und ist der Keller feucht,
dann bröckelt die Fassade
und die Wände stürzen ein.

Das Unbehagen

Du innerst statt zu äußern,
hast die knotenreiche Zunge
weggebissen und verschluckt –
jetzt blüht sie dir
als Knoten
schmerzvoll in der Brust.

Der Speichel,
der die Sprache schmiert –
verschluckt! –
du schwitzt ihn aus
als Fäulnis, die du
(nicht nur du!)
erriechst.

Du sprichst
mit stummer Zunge
eine fremde Sprache;
sie ist wie du verkehrt
und wäscht die Bunten Bilder
bis zum Grauen aus.

Du hast den Wahnsinn,
der die Worte findet,
die er niemals sucht.
Vertrautes verstellt.
Entfremdung… entstellt.

Zwei Verdrängungen

Der Morgen erwacht
In der Küche,
Mit dem Vater zusammen,
Der seine Frühstückseier
Mit dem Fleischerbeil
Halbiert,
Angedenk der Tage
Größter Mutterliebe.

Der Abend stirbt,
Die Sonne verblutet
Ins Meer
Und geht unter
Als Konterfei
Eines Gedankens
An alles Gestorbene.

Hauptstadt im Sommer

… dann geht alles dahin –
In häuserweiten Flüssen
Tränt der Beton das Glas die Fernseher das Blei
Der allzu großen Todesstadt
Als Rinnsal in die Gossen.

Alles geht dahin –
Denn alles ist verloren,
Nichts ist mehr verblieben
Als ein bisschen Fleisch ein bisschen Dreck ein bisschen Knochen
(vielleicht ein letztes Hemd an einem Stahlträger).

Denn alles ist vergessen,
Was nicht in Glas in Stahl in Silizium in Beton
Verwandelt war,
All dies geht dahin, was nie ganz echt gewesen war;
Und alles, das gewesen war, geht mit hinweg
In einen Himmel aus Metall,
Der unbedeutsam schmilzt
Und
In die Gosse folgt.

Alles geht dahin
Und nur der Angstschrei kalter Nichtigkeit
Schwebt stockend in entleerter Luft.

Neben der Spur

Der Fluss zeigt sich
Gesäumt von Altmetall,
Und Glasbruch
Sammelt sich
Zur Sammellinse
Im neuen Licht –

Die Kormorane sterben
Wilde Gitterbilder
In Metallskeletten
Abgelöschter,
Ausgebrannter Tanker;
Und
Wo das Wasser strahlt,
Da strahlst du hell zurück.

Irgendwo ging hier
Einmal das Leben aus,
Doch damals waren die
Zertrennten Telegraphenmasten
Keine Kalmar-Raumschiffe
Und Metallgestänge gleichsam
Keine Wucherranken.

Du bist neben der Spur
Des Flusses,
Und es sammelt sich
In dir das Wasser,
Steigt dir zu Kopfe,
Um mit selbigem voran
Ins hunderttausend Meter tiefe,
Hunderttausend Jahre alte,
Hunderttausend Gray strahlende,
Wasser zu springen.